Mir träumte...

Es war Abend, spät abends. Mein gesamtes Zimmer erschien in einem bläulichen Licht und eine unheimliche Stimmung lag in der Luft. Allerdings überspielte ich das und sah ich darüber hinweg wie immer. Dann hatte ich richtig Lust bekommen was in meinem Zimmer zu verändern und stellte mein Schreibtisch um, wobei dass nicht wirklich so klappte, wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber nach ein paar Minuten stand alles wieder so einigermaßen. Da es schon ziemlich spät war und ich morgen Schule hatte, ging ich ins Bett, schaute aber noch mit einem kleinen Minifernseher einen Film. Es war glaube ich ein Horrorfilm und ich fing an ihn zu sehen, als gerade die dortige Situation noch mal zusammengefasst wurde;

Es ging darum, dass ein Verrückter das Vorhaben hatte, Mutanten zu erschaffen. Für die Mutanten brauchte er zunächst jedoch Opfer, die er dann je nach gewünschtem Ergebnis verstümmeln wollte.

Dieser Irre lief in einem ungepflegten Garten mit dem Rücken zu einem ziemlich heruntergekommenen, ursprünglich weißen Haus auf und ab. Die Wiese war braun und ungemäht, der Zaun, der den Garten von den anderen Grundstücken abgrenzte, bestand aus losen und wackligen Brettern, auf welchen die Farbe schon abblätterte. Es herrschte eine unangenehme, bedrückende Stimmung. Der verrückte Professor erklärte mir die ganze Zeit irgendwas, währenddessen er auf und ab lief. Er sagte etwas, dass mit verschwundenen Frauen und Mädchen zu tun hatte und dass zwischen ihnen eine Verbindung existierte, die die dortige Polizei jedoch nie erkannt hatte. Die Verbindung bestand darin, dass alle Opfer eines Missbrauchs oder von schlimmeren waren, jedoch hatte keines der Opfer den Täter vorher gekannt. Der Irre erzählte mir das alles mit einem kaum überhörbarem Stolz in der Stimme und seine Handbewegungen waren die, eines Politikers oder von einem, der die Weltherrschaft an sich reißen wollte. Ich fühlte mich unwohl in seiner Gegenwart. Aber zum Glück stand ein niedriger, brauner, veralteter Zaun zwischen uns. Als der Irre seine Ausführungen geendet hatte, kam ein kleiner, hässlicher, buckliger Mann, Decapte, aus dem heruntergekommenen Haus und erzählte dem Professor irgendwas von anscheinend großer Wichtigkeit. Der Irre nickte nur und bat mich näher zu kommen um mir die Frauen und Mädchen anzugucken, von denen er vorher gesprochen hatte. Also näherte ich mich vorsichtig und Schritt für Schritt. Um jedoch noch einmal sicher zu gehen, dass der Irre mich nicht reinlegte und in einen Hinterhalt lockte, sah ich noch schnell vorher durch ein Loch in dem niedrigen Bretterzaun, der sich zwischen uns befand. Hinter dem standen die Frauen und Mädchen von denen der Professor gesprochen hatte. Das versetzte mir einen tierischen Schock und ich sprang einen Satz zurück. Doch der Irre bestand weiterhin darauf, dass ich mich näherte. Ich gab seinem Willen nach, da ich mich nicht mehr in der Lage sah, dass ich noch zu irgendeiner Entscheidung in der Lage war. Mein Herz raste und ich fühlte mich, als ob ich das, was die Frauen und Mädchen erlebt hatten, selbst durchgemacht hätte, als ob ich verstand, wie sie sich fühlte. Das machte mir große Angst, aber dennoch ging ich um den Bretterzaun herum und die Anhöhe hinauf und stand schließlich neben dem Professor, der mir sofort stolz erklärte, dass er den Zusammenhang zwischen den Opfern herausgefunden hatte und sie alle gekennzeichnet hatte. Ich war zu triefst geschockt und sah mir die Frauen und Mädchen genauer an:

Sie alle waren dreckig und hatten fettiges, zerzaustes, ungewaschenes Haar. Die Kleidung, die sie trugen war zerschlissen und einst weiß, jetzt jedoch dreckig und hing an den Körpern herunter, als wäre die Kleidung zu nichts gut. Die Gesichter waren dreckig und ungepflegt. Der Blick war leer und man konnte in ihren Augen sehen, was für ein Leid sie durchlebt hatten. Ihre Körper waren aber zu meiner Überraschung nicht abgemagert, sondern wohl genährt und manche waren sogar eher mollig und andere dünn, aber keines der Mädchen und keine der Frauen war abgemagert oder auch nur ein bisschen zu dünn. Ich hatte die Frauen und Mädchen gesehen und der Schreck saß mir tief in den Knochen, aber trotzdem wurde ich nun nervös und fragte mich, wie der Irre diese gequälten Wesen gekennzeichnet hatte. Plötzlich, wie ein Schlag, fiel es mir auf: Jeder Frau und jedem Mädchen fehlte etwas und was ihnen fehlte waren nicht etwa Kleidungsstücke oder Besitz, nein, es waren Körperteile. Der Verrückte hatte jedem dieser Wesen ein Körperteil abgeschnitten. Einer molligen Frau fehlte ein Arm und man konnte deutlich die Narbe sehen, die diese Amputation hinterlassen hatte. Einem Mädchen fehlte der Fuß und einer anderen Frau die Hand. Das versetzte mich fast schon in Panik. Ich fragte den Irren, ob er den Frauen und Mädchen die Körperteile abgenommen hatte und er antwortete mir mit ja und dann erzählte er mir noch begeistert, dass er noch viel Größeres vorhatte. Ich schaute ihn schockiert an. Er erzählte mir ohne auch nur auf eine Frage zu warten, dass er nur mehr Opfer brauchte und dass er schon wüsste, wie er diese bekommen würde. Er sagte, dass er den spielsüchtigen Schutzengel Geld leihen und als Art Bezahlung die Schützlinge der Engel verlangen würde, und er erzählte, dass das schon begonnen hatte und niemand der höheren Wesen den Betrug des verrückten Professors bemerken würde. Er sagte, dass er die Engel solange ablenken würde, wie er an ihren Schützlingen zugange war, und dass am Ende doch eigentlich allen etwas Gutes damit getan hatte; den Engeln wurden ihre geheimsten Wünsche erfüllt, der Professor würde seinen Traum verwirklichen können und die Schützlinge würden zu höheren Wesen auserkoren werden und als Mutanten einen Sinn erfüllen.

Während seiner Erzählungen wurde mir schwarz vor Augen und ich verlor mich. Es drehte sich alles um mich, mein Herz raste und ich konnte die einzelnen Bilder vor meinem geistigen Auge sehen: Ein Engel in einer Badewanne gefüllt mit Wein und umgeben von lauter Schönheiten. Ein anderer Engel saß mit Karten in der Hand missgelaunt an einem Spieltisch. Die Pläne auf dem Schreibtisch des Professors mit haarsträubenden Skizzen von widerlichen Kreaturen aller Art. Ein riesiger Mutant in einem viel zu kleinem Zimmer.

Plötzlich war ich in einem Restaurant zusammen mit dem irren Professor auf den Weg zu einem der Hinterräume. Während wir den schäbigen Flur entlang gingen, erzählte er mir, dass er mir gleich zeigen würde, was er vorhatte. Mein Herz pochte mir bis zum Hals. Den Gang, den wir entlang gingen, war schäbig und in den Ecken lag Dreck. Die Tapeten waren vergilbt und Teppich oder auch nur Packet lag nicht mal mehr, wahrscheinlich zersetzt von der Zeit. Ich hatte Angst vor dem, was ich gleich sehen würde. Wir bogen um eine Ecke und kamen zu zwei Zimmern, rechts von mir war ein Raum, der wahrscheinlich für den Bürokram herhalten musste und links von mir war ein Gästebad. Das Bad betraten wir und kaum hatte ich einen Fuß in das Badezimmer gesetzt, bewahrheiteten sich meine Vorahnungen und meine Angst; Das Badezimmer war wie der Rest des Restaurants alt und schäbig. Alles hier hatte einen leichten Gelbstich und die Atmosphäre hier war von purer Angst und von purem Schmerz getränkt. In der Badewanne vor der Tür lag eine Frau. Sie war vielleicht so Anfang 20 und sicher vorher bildhübsch gewesen. Mir gefror das Blut in den Adern, als ich genauer hin sah. Die Frau lag stocksteif in der Badewanne und sie lag in einer Blutlache. Vor der Badewanne war eine weitere Lache dieser dunkelroten Flüssigkeit. Die Farbe schien einem fast ins Auge zu stechen. Ich hatte schrecklich Angst. Geschockt sah ich der jungen Frau ins Gesicht. Ihr Kopf war bandagiert mit einem dreckigen, veralteten Verband. Nur die Augen waren nicht eingewickelt; ihr linkes Auge war entsetzlich weit aufgerissen und starrte mich auf eine schreckliche Art und Weise ängstlich an. Ihre Hand krallte sich an den Badewannenrand. Sie lag starr da. Ich hatte das Gefühl, dass ihr ein Monster eingesetzt wurde, dass sie nun auszutragen hatte. Der Professor redete die ganze zeit. Ich sah der Frau noch einmal ins Gesicht, ich konnte nicht glauben, was der Irre getan hatte. Und erneut durchfuhr mich ein eisiger Schock: Auf der rechten Seite ihres Gesichtes, wurde ich von zwei untereinander liegenden Augen auf dieselbe weise angestarrt wie es das linke tat. Ich konnte die Schmerzen und Qualen, die die Frau durchlitten hatte spüren. Ich wusste, dass der Irre ihr das alles ohne Narkose eingesetzt hatte, und ich wusste, dass ich das nicht verhindert hatte. Ich fühlte mich schuldig und hatte Angst vor dem, was ich noch sehen würde. Die Bilder würde ich nie wieder vergessen können.

Für einen kurzen Moment riss ich mich zusammen, unterbrach den Professor in seinen Ausführungen über sein Vorhaben und fragte ihn, was das alles zu bedeuten hatte und ob er wusste, was das für Konsequenzen für ALLE hatte. Er antwortete mir, dass das, was ich sah, noch nicht das Beste wäre und dass ich die Sache völlig falsch sah und das würde er mir gleich beweisen.

Wir gingen mit seinen Assistentinnen in den Backstagebereich einer Modelshow. Ich fühlte mich auf dem ganzen Weg dahin schrecklich schuldig, weil ich nicht helfen konnte und nicht da gewesen bin. Zudem musste ich dauernd an diese Frau denken und an ihr Schicksal. Ich hatte schreckliche Angst vor dem was kommen würde. Die zwei Assistentinnen, die mit dem Irren und mir mitkamen, gingen links und rechts neben mir her. Sie beide sahen absolut identisch aus; sie waren groß und dürr, sie trugen beide ein weißes langes, schulterfreies Oberteil und einen fransigen Jeansminirock, der bei der einen am Rand mit Blut beschmiert war. Es war das Blut der jungen Frau aus dem Gästebad. Die Assistentinnen hatten langes, hellblondes, glattes Haar, das ihn bis zu den Hüften ging. Ihre Augen waren groß, wie bei Puppen, und von hellblauer klarer Farbe. Doch immer wenn sie einen ansahen, hatte man das Gefühl, dass die Augen leer waren.

Wir gingen durch den Backstagebereich auf eine junge Frau, auch so Anfang 20, zu. Sie saß vor einem Schminktisch, mit dem Rücken zu uns und bürstete gerade ihr braun-blondes Haar. Sie musste sich beeilen, weil sie gleich auf den Laufsteg musste. Ich wollte sie vor der Gefahr warnen, sie beschützen, aber ich konnte nicht. Ich war völlig hilflos. Der Irre tippte ihr auf die Schulter und die Frau fuhr erschrocken zusammen. Dann drehte sie sich verwundert um und fragte, wer wir seien, was wir wollten und ob wir von der Presse waren. Eine der Assistentinnen log sie an und meinte, dass wir von einer Zeitschrift sind und dass wir ein Interview mit ihr machen wollten. Sie wirkte leicht erleichtert und sagte, dass sie nur wenig Zeit für uns hätte, da sie gleich raus auf den Laufsteg musste. Die Assistentin antwortete daraufhin, dass es nicht lange dauern würde, und fragte sie nach ihrem Namen. Leicht überrascht antwortete sie, dass sie ‚Umdrehen’ hieß. Ich sah den verrückten Professor erstaunt an und sah, dass er selbstzufrieden lächelte. Kaum hatte die Frau ihren Namen ausgesprochen, wurden die blonden Assistentinnen, wie Furien, und fragten kreischend:„Umdrehen? Was???“

Es wurde schwarz um mich herum und ich sah tausende Bilder von weiteren Opfern in meinem Kopf. Ich war schockiert und hatte das Prinzip verstanden.
25.5.07 21:02
 


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